Samstag, 4. Februar 2017

Auf Zeit-Online habe ich einen Text über die komischen, rührenden und im Sinne von Nachhaltigkeit zukunftsweisenden Basteltips in der Leserbrief-Rubrik des DDR-Bastelmagazins "Practic" geschrieben. Wer würde sich heute noch eine "externe Cursorsteuerung" bzw. "Maus" für den Computer basteln, und zwar aus hölzernen Möbelknöpfen und einer Butterdose? Nebenbei wird verraten, daß Alf im Osten erfunden wurde! Das Titelbild ist etwas irreführend und stammt, im Gegensatz zu den anderen Fotos, nicht von mir. Warum sollte man seinen alten Trabi an die Wand kleben? Man kann doch ein Regendach für die Hühner daraus bauen (wie es im Text gezeigt wird.)

Mittwoch, 27. Juli 2016












Neubrandenburg liegt am Tollensesee, Tollenser hieß im Osten seit 1961 der Tilsiter Käse, die ostpreußische Stadt Tilsit war ja 1946 in Sowjetsk umbenannt worden. Unweit von diesem See habe ich gleich zwei Spielplätze entdeckt, die die Spielplatzforschung interessieren dürften. Auf dem Spielplatz "Am Stier" im Kulturpark steht ein einzigartiger steinerner Stier, der mich mit seiner wunderschönen, geschwungenen Form und dem bekletterbaren, hohlen Innenraum an "Tufsen" erinnert, die amorphe Spielplatzskulptur von Egon Møller-Nielsen. Dazu die mit Mosaiksteinen besetzte Oberfläche, die mein ortskundiger Führer "portugiesisch" nannte. Welcher namenlose Gestalter hat dieses Kunstwerk geschaffen? Gab es im Osten noch mehr davon? Gleich daneben steht der Steinelefant, den ein paar Neubrandenburger auf einem Bauhof gefunden und mit Geldspenden restaurieren lassen haben. Er ist 1969 bei der Produktionsgenossenschaft Kunst am Bau in Dresden in Auftrag gegeben worden. Die neue, bunte Mosaikoberfläche finde ich ausgesprochen gelungen. Noch ganz beseelt von diesem Fund kam schon die nächste Sensation, etwas weiter im Park befindet sich ein Spielplatz mit gut erhaltenen Stahlrohrklettergerüsten, und zwar mit Figuren, die ich noch nie gesehen habe, ein Kamel und ein Bulle. Aus welcher Werkstatt stammten die? Ein selten gewordener, vollständiger Kletterpilz mit Dach überrascht da kaum noch. Und auch die Blockhütten stammen noch von vor der Wende, in die große kann man nur steigen, wenn man die Stange hochkommt, das dürfte motivieren.

Montag, 14. Dezember 2015

Knusper, knusper, Knäuschen


Irgendwo bei Walter Kempowski habe ich mal über das Geräusch beim Rausschneiden der "Augen" beim Kartoffelschälen gelesen: "Das kommt von weit her". So geht es mir mit dieser Hexe in einem Pfefferkuchenhaus, das ich in einem Berliner Schaufenster gesehen habe. Der Bäcker benutzt die Figur sicher seit Jahrzehnten, die kommt für mich "von weit her", ich glaube, aus dem Kindergarten. Dieser Plastekopf, die grusligen Augen und dieser grobe Kunstfaserstoff. Ein Pfarrer aus dem Westen hat mir mal erzählt, in seiner Jugend hätte man "Hänsel und Gretel" so interpretiert, daß sich darin die Angst der Immobilienbesitzer vor den Armen, die ihre Häuser anknabbern wollen, ausdrücke.

Donnerstag, 10. Dezember 2015

Alte Parteischule Erfurt





















Lesung in Erfurt, in der Buchhandlung Peterknecht, einem Familienbetrieb in dritter Generation. Das schöne Firmensignet hat der Erfurter Künstler und Grafiksammler Rudolf Franke entworfen. Da ich auch über meine Erfurt-Erkundungen erzählt und die Gagarin-Büste am Gagarin-Ring erwähnt habe (an dem das ehemalige Hotel Kosmos liegt, das leider nicht mehr so sinnig heißt), wies mich eine Zuschauerin darauf hin, daß es auch eine Gagarin-Dahlie gibt, die vor gar nicht langer Zeit in der Nähe der Büste wieder eingepflanzt worden ist. Die Züchtung ist im Rahmen eines Erfurt-Besuchs von Gagarin 1963 nach ihm benannt worden, 2011 hat eine Zeitung einen Suchaufruf gestartet, und tatsächlich hat sich eine Erfurter Rentnerin gemeldet, die die Pflanze seit Jahrzehnten bei sich im Garten pflegt, also die Knolle im Winter ausgräbt (mit ein bißchen Erde dran) und Ablegerknollen an Gartenfreunde weitergegeben hat. Ich bekam dann noch den Hinweis, mir die alte Parteischule in Erfurt anzusehen, und zum Glück habe ich das am Morgen gemacht. Die Gebäude dienen jetzt als Gästehaus, man kann sich dort einmieten. Im Foyer findet man die Ästhetik von damals wie in einem Bernstein konserviert. Die psychedelische Tapete, die wundervollen Wendeltreppen, das Wandbild mit den typischen Motiven: über Papieren brütende junge Ingenieure, musizierende Jugendliche, eine junge Melkerin. So wünschte man sich die Jugend, und dann wollten sie Beat hören und Röhrenjeans tragen.